9.8.2022

Zehnder bleibt auf Wachstumskurs – erhöht Umsatz-Guidance

Zehnder erzielte im ersten Halbjahr 2022 eine kräftige Umsatzzunahme von 14.6% auf EUR 399.6 Mio, davon 5% organisch. Im Wachstumssegment Lüftungen konnte der Erlös gar um 20.4% auf EUR 219.9 Mio zulegen. Treiber waren die jüngst getätigten Ergänzungsakquisitionen in den Niederlanden, Kanada und Frankreich. Zudem erfreuten sich die europäischen Märkte einer starken Nachfrage. Dagegen belasteten gestiegene Materialpreise und fehlende elektronische Komponenten die Profitabilität. Infolgedessen stieg der EBIT unterproportional auf EUR 29.1 Mio (+9.8%) und die Marge sank von 14.5% auf 13.2%. Im Heizkörpergeschäft fährt Zehnder eine Abschöpfungsstrategie, mit dem Fokus auf Effizienz und hohe operative Cashflows. Damit erzielte dieses Segment ein Umsatzplus von 8.1% auf EUR 179.8 Mio. Infolge hoher Markterschliessungskosten bei den Klimadecken und einem Sonderaufwand für die Einstellung des Russlandgeschäfts lag die operative Marge mit 4.4% um 240 Bp unter Vorjahresniveau. Auf Gruppen-Ebene übertraf der EBIT mit EUR 36.9 Mio (VJ: EUR 37.7 Mio) wie auch die Marge von 9.2% (VJ: 10.8%) die angesichts steigender Herstellkosten und Lieferengpässe konservativ angesetzten Erwartungen. Wie bereits bekannt, normalisierte sich die Steuerrate nach Wegfall im Vorjahr verbuchter Verlustvorträge bei 21% (VJ: 12%). Dadurch resultierte ein Gewinn von EUR 29.4 Mio (VJ: EUR 33.0 Mio).

Aufgrund der positiven Marktentwicklung hat das Management für das Gesamtjahr den Ausblick für den Umsatz auf EUR 775-825 Mio erhöht und die EBIT-Marge bei 8-10% belassen. Unter Einbezug der im Februar in Kanada zugekauften Lüftungsfirma (Umsatz 21: EUR 38 Mio), der im April erworbenen niederländischen Filtech (Umsatz 21: EUR 15 Mio) wie auch den inzwischen durchgesetzten Preiserhöhungen erscheinen diese Ziele als erreichbar. Die Netto-Cash-Position und die starken operativen Cashflows schaffen darüber hinaus eine gute Ausgangslage, um Akquisitionen aus eigener Kraft zu stemmen. Die Aktie ist bei einem für 2022 geschätzten P/E von 12.7x mit einem Discount von 41.6% zum historischen Durchschnitt bewertet – unseres Erachtens eine attraktive Kaufgelegenheit.

18.7.2022

Zuger Kantonalbank (ZGKB): überraschend starker Neugeld-Zufluss

Die ZGKB hat frühzeitig begonnen, mit Wachstumsinitiativen im Anlage- und Vermögensverwaltungsgeschäft ihre hohe Abhängigkeit vom Zinsgeschäft zu reduzieren. Die ergriffenen Massnahmen zeigten auch im 1. Halbjahr starke Wirkung. Der Netto-Neugeld-Zufluss stieg auf CHF 721.1 Mio, gegenüber CHF 459.6 Mio im Vorjahr. Im Vergleich zu anderen Vermögensverwaltern, die teilweise negatives Neugeld berichten, ist dies ein höchst erfreuliches Ergebnis. Insgesamt konnte der Erfolg aus Kommissionen und Dienstleistungen um 10.7% auf CHF 33.7 Mio zulegen. Damit verbesserte sich dessen Anteil am Geschäftsertrag von 26.5% auf 27.7%. Im Zinsgeschäft fiel der Netto-Erfolg, trotz anhaltendem Margendruck, mit CHF 76.7 Mio (+2.7%) leicht höher als im Vorjahr aus. Grund hierfür war hauptsächlich die Negativzinsarbitrage, die eine Reduktion des Zinsaufwands von CHF 8.7 Mio auf CHF 3.4 Mio bewirkte. Infolge der SNB Leitzinsanhebung vom 17. Juni 2022 ist davon auszugehen, dass dieser Ertragsquelle die Grundlage weitgehend entzogen worden ist. Der Geschäftsaufwand stieg marginal um 0.4% auf CHF 54.5 Mio. Mit dem Cost/Income Ratio (vor Abschreibungen) von 44.6% (VJ: 47.3%) zählt die ZGKB zu den Kostenführern im Segment Retail Banking. Der Geschäftserfolg übertrifft mit CHF 61.2 Mio das Vorjahresergebnis um 11.2%. Dank einem substanziellen Basiseffekt resultierte auf der Bottom Line eine Zunahme des Halbjahresgewinns um 43.3% auf CHF 53.7 Mio. Angesichts des schwieriger gewordenen Marktumfelds erachtet es die Bank als herausfordernd, im zweiten Semester das Vorjahresergebnis zu egalisieren.

Die ZGKB hat sich in der Strategie 2025 das Ziel gesetzt auch ausserhalb der Wirtschaftsregion Zug Kunden zu akquirieren und zur Nummer eins für vermögende Privatkunden in der Zentralschweiz aufzusteigen. Nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Halbjahr ist für die zweite Jahreshälfte ein Ausbau der Kapazitäten sowie eine Vergrösserung der Palette digitaler Dienstleistungen und Produkte geplant. Zudem soll ein Einsteigerpaket zur Akquisition überregionaler Kunden lanciert werden. Wir erachten die ergriffenen Massnahmen als kosteneffizient und strategiekonform. Der Zeithorizont zur Zielerreichung erscheint uns allerdings optimistisch. Die ZGKB ist mehr als nur eine Liebhaberaktie. Sie beweist ihre defensiven Qualitäten auch als verlässliche Dividendenzahlerin. Im Schnitt der letzten fünf Jahre verwöhnte sie ihre Aktionäre mit einem Total Return von 10.8%.

29.6.2022

Baloise: Value-Aktie überzeugt mit stetig steigender Dividende

Baloise zählt zu den Value-Aktien, die mit ihrer starken Marktposition, stetig wachsender Cashflows wie auch der soliden Kapitalausstattung (Solvenzquote SST: 220%) nachhaltig attraktive Dividenden liefern. Dem Versicherer ist es 2021 gelungen, das Prämienvolumen um 5.1% auf CHF 7.45 Mrd auszuweiten und den Gewinn kräftig um 36.2% auf CHF 583.3 Mio zu steigern. Dafür wurde den Aktionären eine um CHF 0.60 auf CHF 7.00 erhöhte Dividende ausgezahlt. Das profitable Nichtlebengeschäft erzielte eine erfreuliche Zunahme des Prämienvolumens um 6.9% auf CHF 4.06 Mrd. Trotz rekordhoher Zahlungen für Unwetterschäden (CHF 120 Mio) hielt sich der EBIT mit CHF 303.9 Mio (+0.6%) über Vorjahresniveau. Starker Gewinntreiber war das Lebengeschäft, das bei moderater Zunahme des Prämienvolumens um 3.0% auf CHF 3.39 Mrd den EBIT um markante 44.1% auf CHF 406.7 Mio verbesserte. Geholfen haben hierbei die gute Entwicklung an den Kapitalmärkten und die Entspannung im Zinsgeschäft. Zudem bewirkten Veränderungen im Produktmix, weg von Verträgen mit Zinsgarantie, hin zu fondsgebundenen Produkten, eine Verbesserung der Profitabilität.

Baloise verfolgt eine aktionärsfreundliche Dividendenstrategie. Seit 2003 schüttet sie ihren Aktionären eine gleichbleibende oder höhere Dividende aus. Diese profitierten im Schnitt der letzten fünf Jahre von einem Total Return von 8.3% (Ø 2017-2021). Die Versicherungsgruppe hat sich in der Strategie 2022-2025 das ambitionierte Ziel gesetzt, das Wachstum kräftig zu beschleunigen. Dabei sollen in vier Jahren 1.5 Mio Neukunden gewonnen, 25% mehr Barmittel generiert und davon 60 bis 80% (Ø 2017-2021: 66.1%) ausgeschüttet werden. Daran dürften die Aktionäre erneut mit einem substanziellen Anstieg der Dividende partizipieren. Wir erachten die Aktie des Versicherers aufgrund des attraktiven Risiko-Rendite-Profils, dem Kurs-Buchwert von 0.97x und der Dividendenrendite 22e von 4.8% als vorteilhaft bewertet.

20.5.2022

BKW: Höhere Energiepreise werden den Gewinn antreiben

Der Energiekonzern BKW gibt sich überzeugt, dass sein Risikomanagement auch grösseren Turbulenzen auf dem Energiemarkt gewachsen sei. Den vom Bundesrat vorgeschlagenen Rettungsschirm für systemkritische Energieunternehmen beurteilt CEO Suzanne Thoma als massiven Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit und als falsches Instrument, um die Versorgungsfreiheit in ausserordentlichen Situationen zu gewährleisten. Sie lehnt den Vorschlag entschieden ab. Axpo und Alpiq wünschen Änderungen, wie beispielsweise die freiwillige Unterstellung.

Im Geschäftsjahr 2021 zeigte BKW erneut eine positive operative Entwicklung. Der Umsatz kletterte um 15.0% auf CHF 3554.0 Mio. Aufgrund eines negativen Einmaleffekts (Grossrevision KKL Leibstadt) sank der Betriebsgewinn um 9.3% (adj. +6.7%) auf CHF 394.9.0 Mio. Infolgedessen resultierte ein tieferer Reingewinn von CHF 327.4 Mio (-5.0%). Für das laufende Jahr zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich und rechnet mit einem EBIT von CHF 460.0 Mio bis CHF 500.0 Mio. Angesichts des positiven Ausblicks wird für 2021 eine um CHF 0.20 auf CHF 2.60 angehobene Dividende ausgeschüttet.

BKW hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2026 den Umsatz auf über CHF 4.5 Mrd und den EBIT auf mehr als CHF 0.7 Mrd zu steigern. Dies entspricht einer moderaten Wachstumsrate von 4.8% (CAGR) und einer anspruchsvollen Verbesserung der EBIT-Marge von 11.1% auf 15.6%. Der wachstumsstarke Bereich Energie erhält kräftigen Rückenwind von stetig steigenden Strompreisen. Da die Stromproduktion jeweils auf etwa drei Jahr abgesichert ist, werden sich die 2021 stark gestiegenen Preise erst ab 2024 im Ergebnis zeigen. Hierbei geben die Absicherungen eine gute Vorhersehbarkeit des für 2026 in Aussicht gestellten EBIT-Ziels von mehr als CHF 400.0 Mio bei einer Marge von über 25.0% (2021: 9.1%). Der Bereich mit der attraktivsten Kapitalrentabilität (ROCE >10.0%) ist das Dienstleistungsgeschäft. Marktanteilsgewinne auf dem stark fragmentierten Markt und weitere Akquisitionen, wie die kurz vor Weihnachten übernommene IT-Komplettanbieterin UMB (500 Mitarbeitende), dürften helfen das für 2026 anvisierte Umsatzziel von CHF 2.8 Mrd (2021: CHF 1.5 Mrd) zu erfüllen und das operative Ergebnis zu verdoppeln. Der dritte Bereich Netze trägt als solider Cash-Lieferant Jahr für Jahr praktisch unverändert einen Umsatz von mehr als CHF 500 Mio und einen EBIT von rund CHF 200 Mio zum Ergebnis bei. Wir erachten BKW als soliden Investment Case mit überzeugender Wachstumsstrategie. Bei einem geschätzten P/E 2022 von 15.5x sind Kursrückschläge Kaufgelegenheiten.